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Scandinavian Youngster: Emil Thorup, HANDVÄRK

Juni ist Midsommer-Monat und die Zeit, in der wir unseren Blick nach Skandinavien richten - in die Region, in der die Sonne nicht untergeht, in der weiße Nächte genossen werden. Ganzjährig begeistern unsere Interior Designer skandinavische Designer, die den berühmt schlichten Stil neu interpretierten. Einer der Youngsters des Jahres: Die Marke HANDVÄRK und ihr Designer Emil Thorup. Wir haben mit ihm gesprochen.

Wofür steht die Marke Handvärk?

Meine Vision ist extrem ambitioniert: Ich möchte eine high-End Marke zu einem Mid-Range Preis schaffen – kombiniert mit einem extrem logischen Gedankengang im Design. Alle unsere Produkte sind flat-packed und basieren auf der Idee, die einzelnen Elemente der Produkte so häufig wie möglich zu wiederholen.

Aus diesem Grund findet man die gleichen Produktelemente aus schwarzem Stahl in allen unseren Produkten – von dem kleinsten Side Table bis hin zum Daybed. Dies erlaubt uns die Produktionskosten niedrig zu halten und ermöglicht uns dafür teure und exklusive Materialien für die Oberflächen zu verwenden: Marmor, Messing und Aniline-Leder. Um es kurz zu machen: Luxus IKEA mit einer zeitlosen und internationalen Formsprache.

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Sie sagen "Luxus IKEA" mit zeitloser und internationaler Formsprache, können Sie das genauer beschreiben?

Wir streben mit unseren Möbeln eine ‚ästhetische Nachhaltigkeit’ an. Nachhaltigkeit in diesem Fall nicht im traditionellen Sinne, sondern mit dem Ziel Produkte zu designen, die von ihrer Qualität und ihrem Design über viele Jahrzehnte halten. Produkte, die in unserer heutigen Zeit designt wurden, jedoch auch in 20-30-40 Jahren noch aktuell sein werden. Dies wird sich mit der Zeit ja zeigen.

Was bezeichnen Sie als gutes Design?

Gutes Design ist Design, welches sowohl modern ist und sich gleichzeitig zu einem Klassiker entwickelt. Es ist nicht schwer einen simplen Holztisch zu designen, aber es ist schwer diesen zu einem modernen und „contemporary“ Möbelstück zu machen, das auch in einigen Jahren noch interessant ist. Gutes Design muss in meinen Augen auch wirtschaftlich sein. Es muss bezahlbar sein – aus diesem Grund sollte man beim Design funktionell denken und seine Produkte flat-packed, also zum Selbstaufbauen, fertigen. Die Produktionskosten sollten beim Designprozess mitbedacht werden.

Was sind Ihre ersten Schritte, wenn Sie ein Produkt entwerfen?

Mein Ausgangspunkt ist immer die Funktion und Form eines neuen Produktes in Relation zu sehen. Ich designe nicht nur um des Design-Willens wegen. Aus diesem Grund findet man auch keine unnötigen Design-Elemente in HANDVÄRKs Produkten. Alles hat seine Funktion. Wenn ich ein Design fertiggestellt habe hilft mir ein technischer Zeichner bei der Ausfertigung. Auf Grundlage dieser Zeichnungen lasse ich dann Prototypen fertigen, sodass ich schon innerhalb von 2-3 Wochen das erste Model eines Produktes in den Händen halten kann. Danach geht es häufig darum, die Produktion und Qualität zu optimieren sowie die Möglichkeiten zu untersuchen, wie wir das Produkt am besten flat-packed verschicken können. Erst wenn ich mindestens 100 perfekte Produkte gesehen habe, die die Fabrik verlassen haben und bei Händlern oder Kunden gelandet sind, kann ich das Design loslassen – aber nur ein bisschen. Meist fallen mir nämlich noch im Laufe der Zeit weitere Optimierungsmöglichkeiten ein. Aus diesem Grund sind unsere Produkte ständig in der Weiterentwicklung – zum Besseren.

Woran erkennt man eines Ihrer Produkte? Haben Sie eine spezielle Handschrift?

HANDVÄRKs Produkte sind auf der einen Seite sehr maskulin in ihrem Ausdruck, haben auf der anderen Seite allerdings viele feminine Details was die Wahl der Materialien betrifft. Sie sind exklusiv und schick: Aus Marmor, Messing und Leder. Ein weiteres Kennzeichen ist, dass alle Produkte einen schwerelosen Ausdruck haben, obwohl sie in Wirklichkeit aus sehr massiven und schweren Materialien bestehen.

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Was inspiriert und fordert Sie heraus?

Die Herausforderung eine Funktion mit einem Design zu schaffen inspiriert mich. Es reizt mich alle Anforderungen an ein Design unter einen Hut zu bekommen: Einfache Produktionsprozesse, einfache Transportmöglichkeiten, hohe Qualität doch zu einem angemessenen Preis sowie die Tatsache mit dem Produkt eine ästhetische Nachhaltigkeit zu schaffen. Das ist spannend! Und zudem ein Prozess, der nie wirklich abgeschlossen ist, denn oftmals fällt einem während dem Prozess an sich und viel mehr ein.

Welcher ist Ihr Lieblingsort in Kopenhagen?

Ich liebe viele Orte in Kopenhagen – allerdings ist der Park „Frederiksberg Have“ der wohl hübscheste Ort. Ich habe viele Jahre lang sehr nah an dem Park gewohnt, aber nun ziehe ich in eine größere Wohnung in der Innenstadt. Ich brauche mehr Platz für meine Möbel – ich freue mich, blicke aber auch mit einem weinenden Auge zurück.

Sie sind sehr vielseitig. Wie kommt das?

Ich habe wohl einfach zu wenig Geduld. Wenn ich etwas lernen möchte, setze ich mich sehr schnell mit den Dingen auseinander und sauge viele Informationen in kürzester Zeit auf. Auf diese Weise kann man Karriere machen bevor man 33 wird...(lacht)

Was gefällt Ihnen besonders daran, als Designer zu arbeiten? Was ist nicht so schön?

Work, work, work. Wenn man seine Freundin, Kinder oder Freunde zu sehr lieb hat, sollte man keine Möbelmarke ins Leben rufen. Man sieht sie nie wieder. Und dann muss man akzeptieren, dass man ganz verrückte Stimmungsschwankungen bekommt – das habe ich noch nie zuvor in diesem Umfang erlebt. Ich bin normalerweise sehr „mellow“ und ein entspannter Mensch, aber nachdem ich HANDVÄRK geschaffen habe, waren alle Tage entweder FANTASTISCH oder FÜRCHTERLICH. Es gibt nichts dazwischen. Wenn man ein entspanntes Leben führen möchte ist die Unternehmung eine Möbelmarke zu starten nichts für einen. Das wichtigste ist in dieser Hinsicht jedoch, dass man eine gewisse Leidenschaft mitbringt. Wenn man seine Produkte mit Leidenschaft entwickelt und keinen anderen Ausweg sieht als diese in die Welt hinaus zu tragen, sollte man dieses Ziel unter allen Umständen verfolgen. Es gibt kein besseres Gefühl als seine eignen Produkte in den schönsten Läden der Welt ausgestellt zu sehen – NICHTS schlägt dieses Gefühl.

Wie würden Sie sich selbst als Designer beschreiben?

Ich habe eine sehr hohe Arbeitsmoral. Mein guter Freund und Komiker, Casper Christensen, sagt immer, dass alles auf der Welt auf 10% Talent und 90% harter Arbeit beruht – meiner Meinung nach wohl eher auf 95% harter Arbeit. Ich habe immer sehr hart und zielgerichtet gearbeitet. Aber alles ist auch sehr schnell gegangen. HANDVÄRK gibt es erst ein paar Monate und wir verkaufen schon an Kunden auf drei unterschiedlichen Kontinenten. Ich glaube, dass dies ehrlich gesagt daran liegt, dass wir anders sind – sowohl hinsichtlich unserer Produktion, Verkauf und unseres Marketings. Weder ich noch mein Firmenpartner, Kristian, haben Erfahrung mit der Möbelbranche – aber wir haben andere wertvolle Kompetenzen.

Wie teilen Sie sich die Aufgabengebiete mit dem Firmenpartner auf?

Während ich sehr viel Wissen über Design, Produktion und PR mitbringe sowie sehr Social-Media-affin bin, kommt Kristian aus der Logistik-Branche und hat viel Erfahrung im Business-Development. Er optimiert unsere Produktionsprozesse, schickt Container in der Welt herum und sorgt dafür, dass unsere Marmortische an die richtigen Privatadressen in Deutschland geliefert werden – zum niedrigsten Preis. Das macht sich bemerkbar.

Gibt es ein Design-Objekt, von dem Sie sich niemals trennen würden?

Nein. Ich knüpfe mich nie richtig an physische Objekte. Ich sammle Erlebnisse in meinem Herzen – keine Dinge. Ich liebe es neue Designs und Möbel zu schaffen, die Leute gebrauchen können. Aber ich halte mich nie an diesen Dingen fest. Anders ist es mit Menschen – diese liebe ich. Und da gibt es einige in meinem Leben, von denen ich mich niemals trennen würde...

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Ein paar Worte zu Ihrem Team?

Mein Team ist sehr jung und dynamisch. Und wahnsinnig. Wir sind sechs Menschen, die alle extrem leidenschaftlich für HANDVÄRK arbeiten aber gleichzeitig sehr unterschiedlich sind – daher gibt es immer sehr viel Diskussion darüber, was als nächstes passieren soll und auf welche Weise – das liegt daran, dass alle nur das beste für HANDVÄRK wollen. Aber insgesamt ist es ziemlich verrückt, dass sechs so junge und unerfahrene Menschen wie wir es schaffen, innerhalb von 6 Monaten eine so erfolgreiche Möbelmarke wie HANDVÄRK auf die Beine zu stellen – ohne externe Hilfe oder Kapital. Wenn wir so weitermachen, sind wir in zwölf Monaten weltweit tätig.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Die Übernahme der Welt ;)